Dichtheitsprüfung von Abwasserleitungen: Kommunen und Hauseigentümer werden nicht alleine gelassen

Viel Wirbel verursacht ein Erlass des nordrhein-westfälischen Umweltministeriums seit einigen Monaten: Der Erlass zur kommunalen Abwasserbeseitigung schreibt den Kommunen vor, Satzungen zu den Dichtheitsprüfungen zu erlassen und entsprechende Fristen festzulegen. So sollen Dichtheitsprüfungen in Wasserschutzgebieten bis spätestens Ende 2015 erfolgen und vorrangig behandelt werden. Für alle anderen Gebiete ist eine Staffelung zu erstellen, die eine kontinuierliche Abarbeitung ohne Zeitverzug sicherstellt. Es können von den Kommunen auch – außer in Wasserschutzgebieten – Fristverlängerungen für den Nachweis der Dichtheit von Abwasseranlagen gewährt werden. Spätestens aber müssen die Prüfungen bis Ende 2023 abgeschlossen sein. Geregelt wird in dem Erlass auch die Art der Dichtheitsüberprüfung. So ist in Fremdwassergebieten eine ausschließlich optische Prüfung des Rohrsystems nicht erlaubt. Hier muss eine Druckprüfung erfolgen.

Die Fraktionen von SPD, Bündnis 90/DIE GRÜNEN und CDU haben sich nun auf einen gemeinsamen Antrag geeinigt. Dieser stellt u.a. sicher, dass für die Kommunen und die Hausbesitzer einheitliche maßstäbe vorgegeben sind. Der Antrag kann hier ( MMD15-2165 ) heruntergeladen werden. (pdf-Datei)

Weitergehende Informationen gibt es auf der Homepage des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen.

Hintergrund:

Notwendigkeit von Dichtheitsprüfung

Undichte Abwasserkanäle können zu einer Beeinträchtigung der Umwelt (Boden- und Grundwasserverunreinigung) führen. Die Dichtheit von Leitungen betrifft sowohl den Schutz vor Infiltration als auch vor Exfiltration.

Undichte Kanäle können zu einer Steigerung der Kosten für die Trinkwassergewinnung führen. Eine intakte Grundstücksentwässerung ist bedeutend für die Gesundheitsvorsorge und sichert auch künftigen Generationen elementare Lebensgrundlagen. Undichte Kanäle (egal ob öffentlich oder privat) führen dazu, dass immer mehr Grund- oder Fremdwasser in die Klärwerke gelangt. Dort steigen die Betriebskosten. Der tatsächliche Sanierungsbedarf privater und öffentlicher Leitungen ist indes ebenso unklar wie die konkreten Gefährdungen, die von undichten Abwasserleitungen ausgehen.

Das im und am Haus anfallende Abwasser wird über den Hausanschluss zum öffentlichen Kanal abgeleitet. Der Hausanschluss besteht in der Regel aus den Grundleitungen. Grundleitungen sind im Erdreich oder in der Grundplatte des Hauses unzugänglich verlegte Leitungen auf privatem Grundstück, die das Abwasser dem Anschlusskanal in der Straße zuführen. Der Anschlusskanal besteht aus dem öffentlichen Anschlusskanal (vom städtischen Abwasserkanal bis zur Grundstücksgrenze) und der anschließenden privaten Hausanschlussleitung von der Grundstücksgrenze bis zum Haus. Grundleitungen und Anschlussleitungen innerhalb des privaten Grundstücks sind generell vom Grundstückseigentümer zu bauen, zu warten und instand zu halten. Im städtischen Bereich werden die Kosten der Dichtheitsprüfung zwischen 300 – 500 € beziffert.

Umsetzung und Bürgerbetroffenheit

Von der ca. 3,5 Millionen Wohngebäuden in Nordrhein-Westfalen sind ein Großteil Einfamilienhäuser. NRW hat ca. 70.000 km öffentliche Kanäle und 200.000 km private Abwasserkanäle.

Während sich die Kosten für die Dichtheitsprüfung in überschaubarem Rahmen halten, sind die Kosten der Sanierung schwer zu kalkulieren und hängen von der jeweiligen Situation ab. Kosten über 10.000 € können indes schnell entstehen.

Der private Hauseigentümer, insbesondere wenn sein Haus älter ist, sieht sich verschiedensten staatlichen Anforderungen ausgesetzt. Dies betrifft nicht nur die Frage der Dichtheit, sondern auch Fragen der energetischen Erneuerung älterer Gebäude, ständig steigende Anforderungen im Heizungsbereich etc.. Vielfach besteht die nicht unberechtigte Sorge, wie man all diese Anforderungen finanziell schultern soll.

Sinnvoll erscheint eine ganzheitliche Betrachtung der öffentlichen und privaten Abwasserleitungen. So bietet es sich an, dass Grundstückseigentümer sich den zuständigen kommunalen Abwasserstellen bei der Inspektion und Sanierung öffentlicher Kanäle anschließen. Auch sollten Handlungsschwerpunkte gebildet werden. Dort, wo erkennbare Problemlagen vorliegen, besteht vordringlicher Handlungsbedarf. Dies gilt etwa bei nachgewiesenen Fremdwassereinträgen oder angrenzenden Trinkwasserschutzzonen.

Foto: Hartmut910 / pixelio.de

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