Endspurt: Am Sonntag wird endlich gewählt!

SteinbrückNoch drei Tage. Dann wird endlich ein neuer Bundestag gewählt. Insgesamt können 61,8 Millionen Deutsche am 22. September über die Zusammensetzung des 18. Deutschen Bundestages bestimmen. Wird auch endlich Zeit.

Im Rückblick wird man sicherlich von der Einmaligkeit dieses Wahlkampfes erzählen. Nein, ich meine nicht die „Rote-Socken-Kampagne“ von CDU/CSU und FDP. Das Schreckgespenst einer möglichen rot-rot-grünen Mehrheit taucht seit 1994 immer wieder auf, wenn es für die sogenannten Bürgerlichen eng zu werden droht oder gar eine Wahlniederlage ansteht.

Nein, ich meine damit, dass von diesem Wahlkampf weniger die Inhalte in Erinnerung bleiben werden als vielmehr die Gesten der Spitzenkandidaten der beiden großen Volksparteien, zum Teil Jahrzehnte zurückliegende äußerst befremdliche Politikziele einer damals gerade gegründeten Partei oder die vermeintliche Trinkfestigkeit des Spitzenkandidaten einer kleinen Partei, die nur noch als Mehrheitsbeschaffer dient und aktuell verzweifelt um den Wiedereinzug in den Bundestag kämpft. Und dann wundern sich noch alle Beteiligten sowie die Medien, dass die Bürgerinnen und Bürger (leider) immer weniger Interesse an Politik und Wahlen haben.

Eine geringe Wahlbeteiligung zieht aber auch ganz bewußt die amtierende Bundeskanzlerin ins Kalkül, um ihre Macht zu sichern. „Asymmetrische Demobilisierung“ heißt dieses Phänomen in der Wissenschaft. Wikipedia schreibt dazu vollkommen korrekt: „Als asymmetrische Demobilisierung wird in der Politikwissenschaft eine Wahlkampfstrategie bezeichnet, bei der durch das Vermeiden einer Stellungnahme zu kontroversen Themen vermieden wird, die potentiellen Wähler des politischen Gegners zu mobilisieren.“

Was müssen das damals noch für regelrechte WahlKÄMPFE gewesen sein Brandt/Barzel, Schmidt/Strauß oder jüngst Kohl/Schröder bzw. Schröder/Stoiber. Das waren in beiden politischen Lagern echte Persönlichkeiten, die für Inhalte standen.

Und heute? Da gibt es mit Peer Steinbrück einen Kanzlerkandidaten, der offenkundig nicht darum bemüht ist, allen „nach dem Mund“ zu reden. Der mit seiner Meinung auch mal aneckt. An dem man sich sprichwörtlich mal reiben kann. Und auf der anderen Seite eine Amtsinhaberin, die zaudert, keine eigene Meinung hat, bei der die Wählerinnen und Wähler nicht wissen, für welche politischen Inhalte sie steht. Die ihre Partei unterm Strich zu einer zweiten sozialdemokratischen Partei gemacht hat. Und das nur um a) die potentiellen Wähler des politischen Gegners zu demobilisieren (s.o.) und um b) ihre Kanzlerschaft zu retten. Was für ein Demokratieverständnis. Für die politische Kultur in der Bundesrepublik ist solch ein Vorgehen katastrophal.

Leider ist es wohl so, dass in unserer Demokratie letzteres wohl als Stärke und Verlässlichkeit insbesodnere von den Medien verkauft wird, während bei Peer Steinbrück jede noch so kleine Geste oder Aussage direkt skandalsiert wird. Mir persönlich sind aber Politikertypen wie Peer Steinbrück viel lieber. Daher ist für mich auch klar: Ich wähle am Sonntag lieber das Original und eine Persönlichkeit mit Ecken und Kanten zum Bundeskanzler.

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