Wenn (Lokal)Journalisten Wahlen beeinflussen wollen…

Bude NorbertAm Sonntag findet in Mönchengladbach die Stichwahl um das Amt des Oberbürgermeisters statt. Auch die in Mönchengladbach führende Tageszeitung berichtet sehr „intensiv“ über das Duell. Leider – oder soll ich sagen – wie erwartet, findet die Berichterstattung nicht politisch neutral statt. Auch wenn man formal vorgibt, so intensiv zu berichten, damit möglichst viele Mönchengladbacherinnen und Mönchengladbacher zur Wahlurne schreiten, wird bei genauerer Betrachtung der Artikel deutlich, dass dem Herausforderer zum Sieg verholfen werden soll.

pictureservletJüngstes Beispiel: Der Artikel vom 11. Juni 2014 („Gladbachs neuer OB bringt seine Mehrheit mit“) ist nicht nur in seiner Analyse haarsträubend sondern behauptet, dass

1. „viele grüne Wähler ihr Kreuz bei Reiners machen werden – auch ohne ausdrückliche Wahlempfehlung der Partei.“ -> versuchte Einflussnahme auf das Wahlverhalten der „grünen“ Wählerinnen und Wähler!
2. „Es sind nicht die Stammwähler der Sozialdemokraten, die die Stichwahl am Sonntag entscheiden werden“ -> Dieser Satz kann ja nur als Aufruf an alle SPD- und Bude-Sympathisanten zu verstehen sein, am Sonntag nicht zu Wahl zu gehen.
3. „Der Ball liegt im Feld der CDU. Auf ihre Sympathisanten kommt es an. Stehen sie geschlossen hinter Hans Wilhelm Reiners, wird er Oberbürgermeister.“ -> im Gegensatz zu 2. ein freundlicher Hinweis an alle CDU-Wähler, am Sonntag auch ja wählen zu gehen und das Kreuz an der „richtigen“ Stelle zu machen.

Ich bin der Meinung, dass seriöser (Lokal)Journalismus anders aussieht. Natürlich darf jeder Journalist aus seine eigene private Meinung und politische Einstellung haben. Aber wenn man seinen Beruf dazu ausnutzt, die Wählerinnen und Wähler einseitig in eine Richtung zu beeinflussen, darf man sich über sinkende Auflagenzahlen seiner Zeitung nicht wundern. Am besten wechselt man dann direkt zu einem offiziellen Parteiorgan. Z.B. den „Bayern-Kurier“, das „CDU-Magazin“ oder, wenn man der SPD nahe steht, dem „Vorwärts“.

Aber am Ende entscheiden nicht Journalisten oder (Kommunal)Politiker sondern die Wählerinnen und Wähler…

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