Ehre, wem Ehre gebührt: Benennung von Straßen und Plätzen nach besonderen Menschen, aber…

csm_brandt_willy_bundesarchiv__6587c58c85Nähern wir uns einem sensiblen Thema einmal sachlich: Wie kann das Ansehen und die Erinnerung an einen Menschen nach dessen Tod in einer Kommune aufrechterhalten werden, der oder die zu Lebzeiten großen Einsatz für das Gemeinwohl gezeigt hat. Im Kleinen, in einer Kommune oder größer, auf Bundes- oder Landesebene. Dann aber möglichst mit einem Bezug zur Kommune.

So gibt es häufiger im Stadtrat oder noch viel mehr in den Bezirksvertretungen die Tagesordnungspunkte „Benennung von Straßen“. Zumeist bei neuen Straßen in Neubaugebieten, weniger im Rahmen von Straßenumbenennungen. Dafür gibt es eine Vorschlagsliste, die immer wieder mit neuen Namen fortgeschrieben wird. Die Liste ist eine Sammlung ohne Reihung, wann wer „dran“ ist. Meistens sind dort Namen von verdienten Menschen aus der Stadt oder den Stadtbezirken aufgeführt. Leider wird dieser Akt aktuell nur auf eine Person reduziert, für den es nun schnell gehen soll. Verstorbene Menschen, deren Wirken viel Nachhaltiger für unsere Stadt war, sie aber vielleicht weniger prominent waren, geraten so in Vergessenheit.

Immer wieder gibt es auch Debatten über die Bismarck-, Hindenburg- oder Lettow-Vorbeck-Straße in unserer Stadt. Darauf möchte ich aber an dieser Stelle nicht näher eingehen.

Nach dem Tod prominenter Politiker überschlagen sich besonders die Parteigänger mit der Forderung, so schnell wie möglich eine Straße oder einen Platz nach dem/der Verstorbenen zu benennen. So auch jetzt im Fall Helmut Kohl.

Ich sehe keine Eilbedürftigkeit, kurzfristig eine Straße oder einen Platz nach Herrn Kohl zu benennen. Auch wenn die führende (und einzige) Tageszeitung vor Ort heute die öffentliche Debatte dazu beginnt: Der Bezug Helmut Kohls zur Stadt Mönchengladbach ist eher gering – anders als zum Beispiel bei Konrad Adenauer. Unabhängig von meiner politischen Meinung, die ich über Helmut Kohl habe: Der ehemalige Bundeskanzler ist unbestritten eine historische Größe. Jetzt aber bereits nach Wegen zu suchen, wie er schnellstmöglich in einem großen Rahmen in Mönchengladbach geehrt werden kann, ist wenig zielführend, in meinen Augen gar populistisch. Was soll das?

csm_schmidt_helmut_1_dpa_e21c13b2ebAls besonderer Verdienst von Helmut Kohl wird gerne die Vollendung der Deutschen Einheit ins Feld geführt. Ein Umstand, der ohne das politische Wirken seiner beiden Amtsvorgänger Willy Brandt und Helmut Schmidt, insbesondere durch die Ostverträge von Willy Brandt, wahrscheinlich sogar heute noch nicht vollzogen wäre. Aber dies ist Interpretationssache, die wissenschaftlich an anderer Stelle zu untersuchen ist und wird.

Ich verschließe mich einer Ehrung Helmut Kohls in der angemessenen Art und Weise durch die Stadt Mönchengladbach keineswegs. Gleichzeitig sollten wir dann aber auch die Erinnerung an Willy Brandt und Helmut Schmidt auf den Weg bringen. Dies habe ich auch bereits über die sozialen Medien mitgeteilt.

Bevor wir im Rat der Stadt über Wege der Ehrung nachdenken, sollte zunächst an anderer Stelle die Zeit nach Ende der Kanzlerschaft Kohls aufgearbeitet werden. Solange wird es von mir keine Zustimmung für eine Ehrung geben.

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